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GESPENSTER

BNN, Andreas Jüttner, 21.03.2016

„Alte, längst begrabene Überzeugungen, Ansichten, Aberglaube und all das. Es steckt in uns und wir werden es nicht los. Ich schlage nur die Zeitungen auf, und ich sehe die Gespenster zwischen den Zeilen.“ Hoppla, ist das etwa der aktuelle Kommentar eines zeitgenössischen Autors zum Erstarken rechtspopulistischer Tendenzen in Europa? Nein: So steht es in dem 1881 erschienenem Drama „Gespenster“, mit dem Henrik Ibsen vehement die dörflich-dumpfe Doppelmoral seiner norwegischen Heimat attackiert. ...

Und die jetzt im Studio herausgekommene Inszenierung des jungen Regisseurs Manuel Braun hält sich auch bewusst frei von aktuellen Anspielungen: Er zeigt die Selbstzerstörung einer Familie als Spiel von Figuren, die ihre inneren Verletzungen in alptraumhafter Überzeichnung auch äußerlich tragen (Ausstattung: Viktoria Strikic). Die surreal-märchenhafte Atmosphäre lenkt den Fokus auf den Text – was die Aktualität mancher Passage erst recht unterstreicht, indem es dem Zuschauer Raum für Assoziationen lässt. Womit eine wesentliche Qualität von Theater durch die Aufführung schon mal eingelöst wäre. ...

Assoziationsreich sind die 90 Minuten auch durch eine weitere Qualität von Theater: schauspielerische Präsenz und Präzision.

 

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