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CHOREOGRAFEN STELLEN SICH VOR

BNN, Manfred Kraft, 11.07.2016

... das erste Stück zeigte ein sehr junger Tanzschöpfer als einziger Gast von außerhalb: Der Brasilianer Guilherme Carola studiert noch bei Keil an der Mannheimer Tanzakademie und hat sich ein anspruchsvolles Sujet gewählt. Zur kargen Musik von Philip Glas will sein Stück „E=mc2“ nicht nur der Relativitätsformel und dem Verhältnis von Masse und Energie nachgehen, sondern auch die Persönlichkeit Einsteins selbst beleuchten. Das gelingt nicht immer ganz überzeugend, auch wenn Carola den Prozess der Grenzüberschreitung in schlüssige Bilder kleidet. Das stark kontrastiv arbeitende Konzept, das der Armenier Arman Aslizadyan, der in Karlsruhe auch schon mit Reginaldo Oliveira in gemeinsamen Arbeiten hervorgetreten ist, und die freie Choreografin Kristina Sosnina für das plakative Stück „Duality“ gewählt haben, setzt auf den Ausgleich grafischer wie tänzerischer Gegensätze und ist dabei stark durch die rhythmische Musik geprägt.

Mit „Grauzone“ hat der belgische Tänzer Emiel Vandenberghe eine wirkungsvolle, von Blythe Newman, Larissa Mota, Roger Neves und Zhi Le Xu glänzend umgesetzte Choreografie erarbeitet, die aus der Spannung von lyrisch zartem Gesang und hämmernder Brachialmusik beeindruckende visuelle Wirkung bezieht – ein Höhepunkt des Abends. Mit tänzerischen Überlegungen zu Beginn, Verlauf und Ende (?) einer Liebe schöpft der brasilianische Tänzer Pablo Octavio in „Un/Certain“ aus klar abgesetzten Musiken, die dem eher klischeehaft ablaufenden Geschehen hilfreiche Impulse und Kontur geben.

Der albanische Tänzer Bledi Bejleri hat dem einstündigen Programm zwei choreografische Debüts beigesteuert. „Gefangen“ versetzt zwei Männer in die Enge eines Spiegelkerkers, in dem sie nur noch sich selbst reflektieren und der Brutalität von Licht und Musik ihre Illusion einer besseren Welt entgegensetzen. Auch im abschließenden, sehr vielversprechenden Werk „Vision“ geht es um zwei Männer (Tiljaus Lukaj, Zhi Le Xu), die in einer Bildergalerie den gezeigten Porträts nachträumen, bis ein wahrhaftiges Gemälde in Gestalt von Rafaelle Queiroz aus einem Bilderrahmen tritt und ihnen im Tanz das magische Zwischenreich von Fantasie und Wirklichkeit erschließt.

Diesem wirkungsvoll gelungenen Finale einer an Eindrücken und Farben reichen Stunde folgte eine bei aller Kürze durchaus bemerkenswerte Podiumsdiskussion mit den Choreografen, die von der Ballettdramaturgin Silke Meier so liebenswürdig wie kompetent geleitet wurde.

Badisches Tagblatt, Christiane Lenhardt, 12.07.2016

... Der mitreißende Abend unter dem Titel "Choreografen stellen sich vor" bringt sechs kurze Tanzstücke und bietet sechs Nachwuchshoffnungen zwischen 20 und 30 Chancen sich zu präsentieren. Das nutzen die Teilnehmer - darunter Tänzer des Badischen Staatsballetts und ein Absolvent der Mannheimer Akademie des Tanzes, an der Karlsruhes Ballettdirektorin Birgit Keil unterrichtet -höchst unterschiedlich aus; Mitglieder des Staatsballetts tanzen.

Am Anfang ist der Impuls der hypnotisch-repetitiven Musik von Philip Glass, aus der sich heftig zuckend das energiegeladene Zusammenspiel von Körperformationen entwickelt: Der 21-jährige Brasilianer Guilherme Carola hat seine Choreografie "E = mc²" Albert Einstein gewidmet. Er habe ein Ballett nach einer mathematischen Formel kreieren wollen und dann sei ihm der große Einstein in die Hände gefallen", erzählt Carola selbstbewusst. Zu Fächern gespreizte, zuckende Hände und extrem gebogene Körper erscheinen wie Geburtswehen der Relativitätstheorie. Street-Dance-Impulse beleben das Ballett "Duality" für zwei Paare von Kristina Sosnina & Arman Aslizadyan über die Suche nach der perfekten Balance zu treibendem Techno-Sound von Kiasmos. Überlange flatternde Pullover-Ärmel geben in dem Tanzstück "Grauzone" des Belgiers Emiel Vandenberghe der Raserei zweier Paare zum aggressiven, basslastigen Sound der Punk-Gruppe Locust besonderen Reiz - zuletzt ist jeder in dem dynamischen Stück über die Suche nach Orientierung und Halt für sich.

Der Brasilianer Pablo Octavio kreierte mit "Un/certain" ein zartes klassisches Pas de Deux über die Flüchtigkeit der Liebe, das im Ungewissen endet; selbst getanzt im Duett mit Carolin Steitz. Ein Erzähler unter den Jungchoreografen ist der Albaner Bledi Bejleri, der seine Vielseitigkeit in zwei Balletten zeigt. Sein stärkstes Stück "Gefangen" -zum rot auf den Boden projizierten Gehirn - für zwei Tänzer vor einem Spiegelkabinett führt die Sprengkraft, die die Verzweifelten aus mentaler Verhärtung herauskatapultiert, zu klirrenden Klängen anschaulich vor ...

 

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