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TRISTAN UND ISOLDE

Deutschlandradio Kultur, Bernhard Doppler, 27.03.2016

Musikalisch braucht sich diese Inszenierung nicht hinter einer früheren Aufführung mit den Berliner Philharmonikern zu verstecken . . . Die Sänger überzeugen nicht nur gesanglich, sondern auch darstellerisch.
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Das Konzept geht auf

Das Konzept funktioniert deshalb,  weil die Karlsruher Sänger ihre ungemein anspruchsvollen Partien nicht nur sängerisch, sondern darstellerisch eindrucksvoll vorführen: Renatus Meszar  als König Markus, zigarettenrauchend überlegend, was er nun vom treulos treuen Tristan halten soll.  Katarine Tier und Seung Gi  Jung als Brangäne und Kurnewal, Vertraute, die mit der Liebesphilophie Isoldes wenig anfangen können. Die, obwohl im letzten Akt traumatisert, bleibtz in sich ruhend und selbstbewusst.
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Die gewaltige Partie stemmt Heidi Melton mühelos. Besonders bewunderswert aber ist Erin Caves, der als Tristan mit tenoralem Feuer zwischen zarten Lyrismen und gewaltigen Ausbrüchen wechseln kann – und das stundenlang!  

Zu Recht gefeiert: das Orchester

Mit Recht gefeiert wurde das Orchester, das fast genauso präzise wie die Berliner Philharmoniker, die man ja kurz zuvor hören konnte, wirkte. Das Orchester unter Generalmusikdirektor Justin Brown kitzelte weniger die Vorwegnahme der Moderne der vorletzten Jahrhundertwende aus der Musik, sondern bot - eigentlich noch interessanter: großes oft aufwühlendes, an Spannung nicht nachlassendes Musiktheater, den Nachhall eines alten Sehnsuchtsklanges.

BNN, Isabel Steppeler, 29.03.2016

Spannende Momente
Christopher Alden deutet das Werk von innen heraus

Christopher Alden hat für die Karlsruher Inszenierung die Handschuhe ausgezogen und den „Mount Everest der Operngeschichte“, wie er ihn ehrfurchtsvoll nennt, mit nackten Fingern tastend erklommen. Man spürt Szene um Szene, dass er die Partitur gründlich studiert hat. Der US-amerikanische Regisseur lässt das Drama in einem Einheitsraum zur Zeit der 1940er Jahre spielen und entfaltet die Kraft der Liebe mittels dichter Personenführung . . . und Lichteffekten . . . vor steriler Kulisse.
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Mit Mut zur Kargheit beleuchtet Alden, der in Karlsruhe einen fesselnden „Peter Grimes“ inszenierte, die Figuren von innen heraus. Das beschert dem Publikum Augenblicke höchster Dringlichkeit und Intensität in einer schlüssigen Deutung.

Pforzheimer Zeitung, Rainer Wolff, 21.04.2016

Die Karlsruher Inszenierung durch Christopher Alden legt denn auch ihr Augenmerk nicht so sehr auf realistische Details der Liebesgeschichte, sondern sie schafft offene Denkräume zur Entfaltung eines weitgehend inneren Geschehens. Das großzügige Einheitsbühnenbild von Paul Steinberg, das einen hallenartigen Raum mit grünen Fauteuils ausstellt, will an die 1940er-Jahre erinnern und damit ein Zeitgefühl spiegeln, das von Weltverlust und Krisen kündet – eine schlüssige, keineswegs zwingende Assoziation.

Wichtig ist der Regie vor allem die Führung der Personen, bei der Alden psychologisches Feingefühl und Sinn für szenische Wirkung walten lässt, die ihrerseits immer wieder an die Musik gekoppelt bleibt.
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Sängerisch ist dieser „Tristan“ . . . ein üppiges Hörvergnügen. Die junge Sopranistin Heidi Melton ist eine hinreißende Isolde von üppiger Tiefe, klangschöner Mittellage und leuchtender Höhe, und Erin Caves als Tristan versteht es, die mörderischen Anforderungen der Partie an Stimme und Kraft durch kluge Ökonomie der Mittel souverän zu bewältigen. Konstantin Gorny als betrogener König Marke macht mit der ganzen Ausdrucksfülle seines markanten Basses aus seiner ergreifenden Klage ein Paradestück singdarstellerischer Gestaltungskunst. Auch Armin Kolarczyk als aufrechter Kurwenal steuert sängerisch eine begeisternde Glanzleistung bei . . .

Bravorufe und großer Beifall

GMD Justin Brown wirkt am Pult der großartig aufspielenden Badischen Staatskapelle als kompetenter Sachwalter der überaus komplexen Partitur – mit grandioser Transparenz bei der irisierenden Vielschichtigkeit der Musik, sicherer Umsetzung der subtilen Klangschichtungen, der harmonischen Raffinesse und klanglichen Sprengkräfte, mit denen Wagner sein „einfaches Werk“ überreichlich ausstattet. Großer Beifall und laute Bravorufe des Publikums bekräftigten seinem „Tristan“ eindrucksvollen, verdienten Erfolg.

Rheinpfalz,, 29.03.2016

Das Publikum tobt vor Begeisterung. Wagner fürs Herz.

Das Opernglas, J.-M. Wienecke, 06.05.2016

Das Orchester präsentierte sich mit größter Präzision im Spiel und herausragenden solistischen Einzelleistungen und bildete somit den Grundstock für die überaus gelungene Karlsruher Oster-Premiere ... Die Spielkultur der Staatskapelle erreichte beispielhaftes Format und ließ das Orchester zum eigentlichen Star des Abends werden.
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Melton faszinierte mit schier unglaublichem Tonumfang, satt grundierter Tiefe und exponiert ausladender Höhe. ... Auch Caves hörte man die enormen Strapazen kaum an. Die großartig durchlebten Steigerungen im Fieberwahn gestaltete er dank guter Technik zum Ereignis . . .

Der Regisseur Christopher Alden hatte es geschickt vermieden, die Szene allzu spektakulär in den Vordergrund zu spielen. Er setzte im positiven Sinne auf die feine, detailreich ausgeleuchtete psychologische Durchdringung der Charaktere . . .

Insgesamt stieß dieser aufwühlende „Tristan“ mit seiner schlüssigen Analyse auf breite Zustimmung.

 

Rhein-Neckar-Zeitung, Thomas Rothkegel, 30.03.2016

Generalmusikdirektor Justin Brown war tief in Wagners Partitur eingetaucht: Faszinierend, wie er die unendliche Melodie Wagners heraufbeschwört. Das Vorspiel stockend. Irritierend schien das zu Beginn. Dann aber nimmt die bestens aufgelegte Staatskapelle Fahrt auf, zog das Tempo an und preschte in dynamische Bereiche vor, die Wagners Partitur geradezu körperlich spürbar machten. Justin Brown hat ein Gespür für Wagners Tektonik.
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Caves ist ein Heldentenor, der die ohnehin mörderische Partie gut durchsteht.
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Die junge Amerikanerin Heidi Melton . . . hat eine außerordentliche Stimme. Kraftvoll und doch geschmeidig, in den Höhen fest, strahlend, leuchtend . . . Beeindruckend auch Seung-Gi Jung als Kurwenal, der einen Kerl aus echtem Schrot und Korn gab, und natürlich Renatusz Meszar, der mit seinem wohlklingenden Bass einen traurigen König Marke gab. Auch Cameron Becker (Hirte und Junger Steuermann) überzeugte mit seinem schlanken, lyrischen Tenor.

Badisches Tagblatt, Thomas Weiss, 29.03.2016

Es ist erstaunlich, mit welcher Souveränität die Sängerin die Isolde angeht, nicht nur die füllige Mittellage und die unangestrengten Spitzentöne, in der Tiefe ist ihr Sopran noch ausbaufähig, begeistern, auch die Rollengestaltung ist für ein Debüt für eine noch junge Sängerin erstaunlich . . . um Heidi Melton eine große Karriere vorherzusagen, muss man kein Prophet sein.

Der neue Merker, Gerhard Hoffmann, 28.03.2016

GMD Justin Brown mit einer . . . phänomenalen Interpretation, ließ bereits während der Klangfluten im spannungsreichen Vorspiel erahnen, zu welchen Steigerungen sich die inspiriert musizierende Badische Staatskapelle noch entfalten dürfte. Diese Erwartungen wurden nicht nur erfüllt – nein bei weitem übertroffen! Sachkundig animierte der versierte Dirigent das prächtig aufspielende Orchester zu moderaten Tempi während der langen Monologe, erreichte in konzentriert frischer Partituranalyse eine farbenreiche Transparenz, schlanke Dynamik im entschlackten prägenden Gesamtklang. Bei Brown dominierten in erster Linie während der musikalischen Abläufe die getragenen, dennoch wogenden Ausformungen der Tempi zur allmählich ausufernden Ekstase. Nie störten überlaute Eruptionen, stets in formidabler Intonation entfalteten sich Blechfraktionen, bestens harmonisierend mit den elegischen Streichern vereint zu jenem aphrodisischen Klangopium.
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Ihren Monolog im ersten Bild sang Melton mit vokalem Detailreichtum, spielte zudem im Pianissimo die lyrischen Qualitäten ihres herrlich timbrierten Soprans vielfältig und nuanciert aus. In ungewöhnlicher Schönheit entfaltete sich die Stimme, in tief empfundener Emotion erklang die Passage Er sah mir in die Augen. Ohne Fehl und Tadel, aufblühend im Ton, dynamisch im dramatischen Ausbruch, übermächtig im klangvollen, atemberaubenden Volumen, gepaart mit traumwandlerisch-schwebenden Piani u.a. beim Liebesduett fanden sich zum alles umspannenden, überwältigenden Vokalfocus. Strömend weiche, leuchtende Bögen schenkte Heidi Melton dem finalen Liebestod in schier mystischer Verklärung.
Ihr zur Seite ein Tristan von Format Erin Caves, einem Sänger höchst respektabler Gesangsleistungen. Man erlebte einen strahlkräftigen, höhensicheren bestens grundierten Wagner-Tenor  beachtlicher Reserven. Caves Vokalportrait ist erfüllt von Emotionen, sein Tristan schwelgt stets, selbst während der kräftezehrenden Fieberträume in „Melodie“, seine Monologe erklingen geprägt von hoher Musikalität. Jede Note wurde wunderschön in bester Artikulation gesungen, nicht deklamiert. In vokaler Konsequenz lotete der prädestinierte  Sänger seine Partie nuanciert in farbenprächtiger Individualität aus.
Beste Diktion verlieh Seung-Gi Jung dem getreuen Kurwenal, schenkte seinem bestens fundierten Bariton satte Tiefen, expansive metallische Höhenflüge sowie warme markante Farbnuancen.
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Das Publikum außer Rand und Band . . .

Der neue Merker, Alexander Walther, 28.03.2016

Christopher Aldens Inszenierung entführt die Zuschauer in einem grün-schwarz gehaltenen Ambiente in die Kriegszeit der 30er und 40er Jahre. Lichtdurchflutete Räume beschreiben die Zeit um 1940, Tristan und Isolde begegnen sich in dieser voll besetzten Halle, reichen sich nach anfänglicher Abwehr den Liebestrank. Da entsteht durchaus ein elektrisierendes Knistern zwischen den handelnden Personen. Grüne Sessel und Kerzen sowie riesige Säulen geben dem Raum etwas Kahles und Erhabenes . . . Trotz der Kargheit des szenischen Entwurfs (Bühne: Paul Steinberg) kommt hier ein metaphysisches Element ins Spiel, das das Publikum ungemein fesselt und nicht mehr loslässt.
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Begeisterter Schlussapplaus . . .

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