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ZUHAUSE

BNN, Sibylle Orgeldinger, 02.06.2015

In der Speisekammer oder am Esstisch, im Badezimmer oder vor einem ungeliebten geerbten Gemälde tragen die Protagonisten ihre äußeren und inneren Konflikte aus. Sie suchen oder hinterfragen ihren Platz im Leben, ihr „Zuhause“. Unter diesem Titel hat Ingrid Lausund, viel gespielte deutsche Gegenwartsautorin, zwölf tragikomische Monologe von Menschen in ihren Behausungen aneinandergereiht. Florian Hertweck hat sechs davon ausgewählt und am Badischen Staatstheater Karlsruhe mit sechs Schauspielern inszeniert . . .

Präzise beobachtend, kritisch und demaskierend zeigt Ingrid Lausund in den Texten, auf welch brüchigem Fundament manches „Zuhause“ steht. Die Inszenierung von Florian Hertweck verbindet die Monologe geschickt zu einem vielschichtigen Ganzen. Meist agieren weitere Darsteller auf Nebenschauplätzen, sodass der Eindruck eines komplexen Geschehens und wechselnder Konstellationen entsteht. Auf der von Maike Storf gestalteten Bühne dominiert eine Schrankwand im Stil der 1970er Jahre, die ihren massiven Charakter nach und nach verliert und sich, gedreht, zerlegt und umgebaut, als erstaunlich wandlungsfähig erweist.

Badisches Tagblatt, Ute Bauermeister, 02.06.2015

Die Autorin Ingrid Lausund blickt in ihrem Stück "Zuhause" schonungslos hinter die Kulissen, hinein in Intimsphären und sie zeigt die Brüche, Ängste, Fantasien und Träume der Menschen in ihren vertrauten vier Wänden.
Am Badischen Staatstheater hatten die tragikomischen Monologe eine umjubelte Premiere. Regisseur Florian Hertweck, selbst Schauspieler, 1978 in Karlsruhe geboren und dem Publikum bekannt als Titelheld im Dylan Musical, verlangt den sechs Darstellern einiges ab: In seiner Inszenierung stellt er sie bloß bis auf die Unterwäsche, lässt sie toben, schreien, gehetzt aufsagen, ertrinken, einsam kauern, mit Puscheln wedeln, mit der Pfeffermühle singen, Basilikum mampfen und im Puderstaub nach der passenden Grabstätte suchen.

Die Bühne ist ein intimes Schlachtfeld. Maike Storf holt aus der beweglichen Schrank-wand alles 'raus: Biederkeit, Kniffe, Enge und Weite, aus der Schublade wird ein Kochfeld, aus einer Schranktür die Zauberkiste. Das ist wie eine Wundertüte mit zahllosen Überraschungseffekten. Neben der intensiven, manchmal fast überbordenden Inszenierung, verschlagen einem vor allem die Schauspieler mit ihren Wandlungskünsten den Atem.
Lausunds assoziative Gedankensplitter sind bitter, traurig und ehrlich: Sie nimmt kein Blatt vor den Mund, das ist nicht immer schön, nicht immer lustig, aber sehr bewegend und eindringlich
. . .
Ein sehenswerter Theaterabend, für den es bei der Premiere hoch verdient tosenden Beifall gab.

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