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NEWS 15/16

Theaterleitung und Mitarbeiter des STAATSTHEATERS trauern um Michael Rademacher

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Theaterleitung und Mitarbeiter des STAATSTHEATERS KARLSRUHE trauern um Michael Rademacher. Der Staatsschauspieler und Publikumsliebling verstarb im Alter von 74 Jahren am 24. Oktober 2015 in Karlsruhe. Bis zuletzt trat er in der Reihe Jazz und Literatur als stimmgewaltiger Leser auf und begeisterte die Zuschauer. Wer je seine Artikulationskunst, seinen Witz und seinen Intellekt erleben durfte, wird ihn nicht vergessen.

Geboren in Hamburg, studierte er nach dem humanistischen Abitur zunächst Medizin, aber wechselte dann ans renommierte Schauspielstudio von Hildburg Frese. Sein erstes Engagement brachte ihn 1966 für zwei Spielzeiten an das Ulmer Theater, es folgten vier Jahre in Flensburg, vier weitere am Staatstheater Kassel, danach zwei Spielzeiten in Dortmund und neun in Nürnberg.

Mit der Spielzeit 1987/88 wurde er von Generalintendant Könemann als Charakterschauspieler ans STAATSTHEATER KARLSRUHE engagiert. Angefangen mit dem Kammerherrn Marinelli in Lessings Emilia Galotti über den Dorfrichter Adam in Kleists Zerbrochener Krug, den Merlin in Tankred Dorsts gleichnamigem Bühnenepos, den Malvolio in Shakespeares Was Ihr wollt, aber auch die Margareta, Witwe König Heinrichs VI. und den Al Lewis in Neil Simons Sonny Boys war er in vielen großen Rollen zu sehen. Unvergesslich bleiben die Grimmigen Märchen, die er zusammen mit den Staatsschauspielern Friedhelm Becker und Kurt Müller-Graf im KLEINEN HAUS las.

Nach knapp 20 Jahren im festen Engagement am STAATSTHEATER und über 40 Jahren auf der Bühne wurde er 2006 von Peter Frankenberg, Minister für Wissenschaft, Forschung und Kunst, mit dem Ehrentitel „Staatsschauspieler“ ausgezeichnet und verabschiedete sich im gleichen Jahr in den Ruhestand, nicht aber von der Bühne.

Michael Hübl schrieb 2006 in den BNN: „Das Besondere, das Rademachers Spiel auszeichnet, ist die untergründige Tiefe, die er nach und nach zum Vorschein treten lässt. Oft lässt er die Person, die er mit Leben füllen soll, zunächst leicht täppig, schrullig, unbedarft dastehen. Der Zuschauer wiegt sich in der scheinbaren Gewissheit, ein schlichtes Gemüt vor sich zu haben, und wird doch nach und nach mit einer eigenen Art von Melancholie konfrontiert, die nicht selten mit einem kräftigen Schuss Humor daherkommt. Das Wesen einer Bühnenfigur wird gleichsam schrittweise und unter allerlei Verrenkungen herausgeschält – sodass sich Michael Rademachers Rolleninterpretationen nicht selten als große Schauspielkunst erwiesen.“

Unsere Gedanken sind bei seiner Witwe, der Souffleuse Stefanie Rademacher.

Gemeinsam möchten wir Abschied nehmen. Am Sonntag, 1.11.15, um 17 Uhr erinnern sich Weggefährten, u. a. Schauspieler Robert Besta und Staatsschauspieler Sebastian Kreutz, mit Filmausschnitten und Lesungen an einen großen Schauspieler.

KLEINES HAUS - Der Eintritt ist frei.

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